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Bier-Bar in Pattaya aufmachen? Tipps für Möchtegern-Barbesitzer

Viele Farangs, die das faszinierende Nachtleben und den entspannten Lebensstil in Pattaya erlebt haben, sind schnell wie süchtig und kommen einfach nicht mehr los von Pattaya. Die Wiedereingewöhnung in den grauen deutschen Lebensalltag mit einer 37.5 Stundenwoche und einem längst verhassten Job fällt häufig schwer.
Pattaya wirkt auf viele wie eine Droge, ein psychedelischer Selbstverwirklichungstrip.
Deutschland ist hingegen stumpfer Alltag – und in Gedanken zählen so manche die Monate und Tage, die noch bleiben bis zum nächsten Flug nach Bangkok.

Kein Wunder, dass viele Pattaya-Junkies davon träumen, dem Alltagstrott in Deutschland zu entfliehen und eine Bar, ein kleines Gästehaus oder Restaurant in Pattaya aufzumachen und auf die Frage, wieviel Wochen man denn Urlaub mache, endlich stolzerfüllt sagen zu können:
„Nix Urlaub. Ich lebe in Pattaya.“
Leben da wo andere Leute Urlaub machen …

Sicher, die Vorstellung, der „big boss“ in seiner eigenen Bier-Bar in Pattaya zu sein, wirkt auf den ersten Blick zweifellos verführerisch. Sein Singha oder Chang Bier zum Einkaufspreis in der Gesellschaft seiner Kumpels und der Girls zu genießen, die nun bei einem selber auf der Lohnliste stehen, und obendrein damit auch noch Geld zu verdienen – das sieht wahrhaftig wie bezahlter Dauerurlaub aus.
Barbesitzer in Pattaya – da kann man endlich das tun, was man sowieso am liebsten macht, und wird dafür auch noch bezahlt, nicht wahr?
Die Alltagsrealität eines typischen Barbesitzers in Pattaya sieht häufig jedoch völlig anders aus und entspricht nicht immer so ganz der Wunschvorstellung, die der Urlauber sich vom Wirtsleben in Pattaya macht.

  1. Warnhinweise für angehende Barbesitzer in Pattaya
  2. Worauf man beim Kauf einer Bar achten muss
  3. Was kostet eine Bar in Pattaya?
  4. Aus dem Alltag eines Barbesitzers in Pattaya

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Warnhinweise für angehende Barbesitzer in Pattaya

Eine grundsätzliche Warnung muss vorab ausgesprochen werden, wenn Ihr gerne auch mal tiefer ins Glas seht als der Glasboden eigentlich erlaubt. Nicht nur der ungesunde Lebensstil eines Barbesitzers, also (mit)saufen auch wenn man gar nicht will, kann einen früher als man meint  um die Ecke bringen.
Wem es gleichzeitig noch an der nötigen Schläue und Geschäftstüchtigkeit mangelt, sich als sogenannter „Boss“ auch verdienten Respekt verschaffen und durchsetzen zu können (und wir meinen hier nicht bis ins Morgengrauen saufen und die Bar Ladies zusammenstauchen, sondern ehrliche Arbeit), der darf sich natürlich auch nicht wundern, wenn irgendwann die Mäuse auf dem Käse tanzen.
Ohne klaren Überblick z.B. über den täglichen Kassenbericht (gerade den dürfen angehende Wirte nie aus den Augen verlieren) kann es am Monatsende durchaus vorkommen, dass das Geld kaum ausreicht, um die Miete und andere Nebenkosten zu zahlen, besonders wenn Ihr kaum Rücklagen habt.

Aber sparen wir uns die oberschlauen Ratschläge noch. Wer die vielfachen Anfangshürden – die wir weiter unten noch detaillierter beschreiben – gemeistert hat, kann vielleicht auch in einem Geschäftsbereich, der schon vor Jahrzehnten übersättigt war, dauerhaft einen Erfolg verbuchen.
Die Grundvoraussetzung ist, dass Ihr geschäftstüchtig und nicht auf den Kopf gefallen seid und vor allem mit der richtigen Einstellung ans Bar-Business rangeht.
Wer nämlich meint, mit einer Bar in Pattaya quasi im bezahlten Dauersuff reich zu werden, wird wohl kaum das erste Geschäftsjahr überleben. Wer andres erzählt, labert Mist.

Sicher, mit einer günstig erstandenen und professionell betriebenen Bar in guter Lage und mit ausreichend Laufkundschaft kann man auch heute noch genug verdienen, um gemütlich seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Aber ein Vermögen werdet Ihr sicherlich nicht ansammeln.
Wenn dem „Boss“ am Monatsende selber vielleicht 20,000 oder 30,000 Baht bleiben, ist das sicher schon ein ziemlicher Erfolg. Wer über’s Jahr gesehen, keine roten Zahlen schreibt und dann noch jeden Monat 1.000 Euro absahnen kann aus seiner Bar, ist fast schon ein richtiger Glückspilz.

Worauf man beim Kauf einer Bar achten muss

Wenn es also wirklich eine Bar in Pattaya sein muss (falls Ihr das nötige Kleingeld erübrigen könnt, ist ein Gästehaus mit Bar- oder Restaurantbetrieb sicher erfolgversprechender) wird vor allem die Lage ein entscheidender Faktor sein.
Wenn Ihr glaubt, Euch auf Eure vielen Saufkumpels aus Urlaubszeiten verlassen zu können, muss eine abseitige Lage zwar nicht unbedingt ein Nachteil sein – vor allem an Mietkosten kann man beträchtlich sparen, wenn man nicht gleich in Strandnähe oder „mittdendrin“ in Süd-Pattaya seine Bar aufmacht. Generell aber ist eine zentrale „location“ mit ausreichend Touristen-Laufkundschaft immer ein großer Vorteil.

Dann sind die Kosten einzukalkulieren, d.h. sowohl was Ihr erstmal investieren müsst, bevor die Eröffnungsparty steigen kann, als auch die laufenden Kosten der Bar – also Miete, Löhne und eventuelles „key money“.
(Das ist eine Art Schlüsselgeld, das nicht nur beim Kauf oder Unterzeichnen des Mietvertrags anfällt, sondern regelmäßig bei jeder Verlängerung des Mietvertrags.)
Mietverträge mit drei Jahren Laufzeit sind bei kommerziellen Gebäuden Standard in Pattaya, ebenso eine Kaution von drei Monatsmieten.
An dieser Stelle solltet Ihr auch bereits mit einkalkulieren, wieviel monatlichen Umsatz Eure Bar realistisch machen kann.

Vergleicht unbedingt auch die Preise für ähnlich ausgestattete Bars in vergleichbaren Lagen. (Eine A-GoGo Bar auf der Walking Street wird natürlich um einiges teurer sein als eine kleine Spelunke auf der „Dark Side“.)
Vorm Ankauf einer Bar ist es daher sicher keine üble Idee, den Anzeigenmarkt in der lokalen deutsch- oder englischsprachigen Presse genauer unter die Lupe zu nehmen, oder sich mit andern Barbesitzern in Eurer bevorzugten Lage auszutauschen. Wichtig ist schließlich, dass Ihr nicht mehr für Eure Bar zahlt, als was sie wert ist.
Wenn Ihr einen Freund oder vertrauenswürdigen Ansprechpartner habt, der selber eine Bar oder ein ähnliches Business betreibt, dann solltet Ihr seine Ratschläge – wo nicht unbedingt befolgen – so doch zur Kenntnis nehmen.
Klar macht jeder sein eigenes Geschäft, aber Erfahrung, vor allem in einer Scheinwelt wie der Bar-Industrie Pattayas, ist immer ein wertvoller Schatz.

Vorsicht vor Scams und Fehlinvestitionen

Vorsicht ist immer geboten bei verdächtig niedrigen Verkaufspreisen. Wenn Ihr also Interesse an einer bereits „etablierten“ und komplett ausgestatteten Bar habt und der Besitzer keinen wirklich guten Grund hat, warum er sein Lokal zu einem Schnäppchenpreis verscheuern will, kann es durchaus sein, dass die Bar niemals richtig „gelaufen“ ist und verbuchbaren Umsatz gemacht hat, oder der Deal sonst irgendwie fragwürdig ist.
Wenn der Laden schließlich eine Goldgrube war, warum sollte der alte Besitzer sie jetzt zum Ramschpreis verscherbeln?

Den Märchen verkaufslustiger Barbesitzer sollte man ohnehin nicht unbedingt trauen, umso weniger wenn es sich um Landsleute handelt. Immer dran denken: „Hüte Dich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind!“
Vielleicht will der Wirt die Bar nur billig verramschen, weil er nicht mal mehr die Miete zahlen und für die monatlichen Verluste aufkommen kann?
Wichtig ist also immer nachzuhaken, warum genau jemand seine Bar verkaufen will. Sich mit Barbesitzern in der Nachbarschaft kurzzuschließen, die nicht oder auch verkaufen wollen, ist jedenfalls immer sinnvoll, bevor man eine endgültige Kaufentscheidung trifft.

Da sich die Geschichte vieler Bars in Pattaya in etwa wie folgt zusammenfassen lässt:

Farang A kauft die Bar, betreibt sie eine Zeit lang ohne nennenswerten Erfolg und verkauft sie bald an Farang B weiter, der genauso wenig vom Bargeschäft versteht wie er Umsatz macht,

seht zu, dass Ihr nicht selber Farang C, D oder E in dieser glücklosen Abfolge gescheiterter Möchtegern-Barbesitzer werdet.
Pattaya, nicht umsonst auch oft als „Disneyland für Erwachsene“ beschrieben, hat über die Jahrzehnte hinweg schon mehr als genug Grünschnäbel angelockt, die ihre gesamten, hart erarbeiteten Ersparnisse in zum Scheitern verurteilte Bars gesteckt haben und sie am Ende zu absoluten Ramschpreisen veräußern mussten, oftmals ein Vielfaches unter dem, was sie selber in den Laden investiert haben.
Wer seine Bar überhaupt nicht wiederverkaufen konnte, hat seine Kühlschränke, Barhocker und Lautsprecheranlagen nicht selten auch ins Pfandhaus bringen müssen – und sich selber in einer Nacht- und Nebelaktion (man ist ja vielleicht noch ein paar Mieten im Rückstand) vor seinem Vermieter und etwaigen Gläubigern in Sicherheit.

Wir wollen jetzt ja nicht den sprichwörtlichen Teufel an die Wand malen (ein Teufelchen holt man sich in Pattaya lieber ins Bett), aber Berichte von betrügerischen Barbesitzern, die ihren Laden gleich an mehrere Kaufinteressenten gleichzeitig verhökert haben, bevor sie sich Hals über Kopf auf dem Staub machten, hat es leider auch immer wieder gegeben.
Eine Variante dieses Tricks ist es zum Beispiel auch, die fünfzigprozentige Teilhaberschaft an einer gut laufenden Bar anzubieten, die Beteiligung am Geschäft aber gleich zehn oder mehr Deppen auf einmal aufzuschwatzen, die sich untereinander natürlich alle nicht kannten.

Mieten oder kaufen?

Wenn Ihr ein Bierbar-Business kauft, das Gebäude jedoch nur anmietet und nicht komplett kauft, muss man daher immer peinlich darauf achten, dass auch der eigene Name (oder der seines Thai-Partners) im Mietvertrag steht, und dass der Mietvertrag von niemand anderem als dem rechtsmäßigen Besitzer der Immobilie gegengezeichnet ist.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, darauf Acht zu geben, dass der Mietvertrag nicht schon bald ausläuft und eventuell eine Mieterhöhung und neues „key money“ anstehen, um den Vetrag zu verlängern.
Dabei muss man natürlich vor allem sicherstellen, dass der Vertrag nach Ablauf überhaupt verlängert wird und man sich die Bar auch langfristig sichert. Ein persönliches Gespräch mit dem Vermieter der Immobilie, wo man seine Bar betreiben will, ist hierbei unumgänglich.

Wer nicht nur den Barbetrieb kauft, sondern auch das Grundeigentum gleich miterwerben will, dem ist dringend angeraten, beim Immobilienerwerb eine renommierte Anwaltskanzlei zu konsultieren.
Vor der Grundstücksübertragung am Grundbuchamt sollte man dem Verkäufer höchstens eine Anzahlung überweisen. (Wer später aber nicht den Restbetrag auftreiben kann, hat die Anzahlung im Normallfall natürlich auch verloren.)

Bar im Namen der Thai Freundin kaufen?

Vorsicht ist vor allem geboten, wenn man auf thailändische Geschäftspartner, beispielsweise seine Thai-Dauerfreundin, angewiesen ist.
Wenn Ihr eine Bar im Namen Eurer Thai-Freundin kauft (Ihr also für ein Business bezahlt, das ausschließlich SIE besitzen wird), so könnt Ihr rechtlich leider kaum etwas machen, wenn sie Euch eines Tages die Koffer vors Garagentor „Eurer“ Bar stellt.

Wenn Ihr andererseits eine Firma gründet (diese könnte das Grundeigentum natürlich auch erwerben) und eine Arbeitsgenehmigung als „managing director“ beantragt, wärt Ihr mithin natürlich auch steuerpflichtig. Die laufenden Kosten einer GmbH, also Steuern usw., können die Einnahmen Eurer Bar natürlich empfindlich beeinträchtigen.
Wer nicht mit einem saftigen Budget nach Pattaya ausgewandert ist und Startprobleme und Anfangsverluste leicht auffangen kann, sollte daher vielleicht eher das Wagnis eingehen, die Bar im Namen seiner Freundin zu kaufen und abzuwarten, wie die Geschäfte laufen.
Wieviel Risiko man finanziell eingehen kann, muss aber freilich jeder selber bestimmen.

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Was kostet eine Bar in Pattaya?

Wer jetzt immer noch unbedingt eine Bar in Pattaya aufmachen will (?), der sollte wenigstens eine halbe Million Baht, also ungefähr 13.000 Euro, für eine kleine Bar in einem angemieteten „Shophouse“ in einer halbwegs zentralen Lage einkalkulieren.
Das beinhalter natürlich nur den Kauf des Geschäfts, Interieurs usw., bzw. die Kosten für die Herrichtung einer Bar – nicht den Kauf der Immobilie selber.
Um auf den oberen Etagen auch noch Gästezimmer einzurichten – eine langfristig durchaus sinnvolle Investition, weil man mit der Vermietung von Zimmern nicht nur dauernd Gäste im Haus hat, sondern zudem noch an den eigenen Mietkosten spart -, so sollte man wenigstens eine Million Baht oder 25.000 Euro einplanen.

Wer ein „Shophouse“, also ein mehrstöckiges Thai-Reihenhaus mit einem Ladengeschäft im Erdgeschoss, in einer halbwegs guten „location“ auch kaufen will, sollte mindestens 100.000 Euro (und nach Möglichkeit noch ein bisschen mehr für den Innenausbau) mitbringen.
Wie bei jeder Investition, sind nach oben natürlich keine Grenzen gesetzt. Für ein doppeltes „Shophouse“ sollte man also mindestens das doppelte einkalkulieren usw.
Wer also unbedingt eine A-GoGo auf der Walking Street haben muss, sollte wenigstens, naja, eine viertel Million Euro auf der hohen Kante haben, um den Einstieg ins Business überhaupt zu schaffen und das erste Geschäftsjahr durchzustehen.

Wichtig ist darüber hinaus, nicht sein ganzes Erspartes in die Bar zu stecken und, wenn alles eingerichtet ist und die Eröffnungsparty steigen kann, quasi pleite zu sein. Darauf verlassen, dass der Laden vom ersten Tag an „brummt“, kann man sich logischerweise nicht.
Wer also kein Zweiteinkommen hat oder eine Rente aus dem Heimatland bezieht, der sollte mindestens soviel Reserven über haben, dass er die ersten paar Monate auch ohne die neue Bar über die Runden kommen kann.

Miete, Gehälter, laufende Kosten

Denn aller Anfang ist schwer. Glaubt also bloß nicht, dass wenn Ihr die Eröffnungsparty mit maximal einem Kater überlebt habt und das Alltagsgeschäft allmählich ins Rollen kommt, Ihr es jetzt auch schon automatisch „geschafft“ habt.
Mit dem Alltag kommen im Barbetrieb erst die richtigen kleinen und großen Sorgen, beinahe genauso wie man es aus Deutschland kennt.

So sind zum Beispiel die Mietkosten und anderen laufenden Ausgaben für Barbetreiber auch in Pattaya relativ hoch, die Gewinnsparten, mit denen kalkuliert wird, allerdings eher gering.
Für eine Miete von unter 20,000 Baht findet man heutzutage kaum noch ein „Shophouse“ in Pattaya. In einer Top-Lage in Süd-Pattaya und andern beliebten Vierteln kann man durchaus auch 50,000 Baht oder mehr an Monatsmiete hinblättern müssen.

Wenn man dann noch die Nebenkosten (Strom, Wasser, Internet, Satellitenfernsehen usw.) und die Gehälter für die Ladies, vielleicht noch eine „Mamasan“ oder Kassiererin („cashier“), mit einkalkuliert, ist man locker 50,000 Baht und mehr im Monat los.
(Für unter 100 Euro im Monat arbeitet kaum noch ein Bar Girl, und gerade eine Klimaanlage kann die Stromrechnung gewaltig in die Höhe schnellen lassen.)
Eine 0,33l-Flasche Bier kostet aber auch im Einkauf schon 30 Baht oder mehr; wenn man das Bier dann zur „Happy Hour“ noch für 50 Baht verscherbelt, könnt Ihr Euch leicht ausrechnen, wieviel Umsatz Ihr ungefähr machen müsst, um wenigstens die Kosten gedeckt zu haben.

Aus dem Alltag eines Barbesitzers in Pattaya

Da bleibt einem, selbst wenn das Geschäft halbwegs „brummt“, am Monatsende oft weniger übrig, als es Außenstehenden erscheinen mag. Unter 5,000 Baht Umsatz pro Tag kann eine Bar in Pattaya kaum überleben, und in der Nebensaison ist selbst diese niedrige Hürde nicht immer leicht zu schaffen – vor allem wenn die Bar noch neu ist und keine Stammkundschaft hat.
Wenn Eure Rücklagen also beschränkt sind und Ihr auf schnelle Gewinne angewiesen seid, werdet Ihr es vermutlich schwer haben, Euch langfristig in Pattayas übersättigter Barszene zu behaupten und ein Einkommen zu erzielen, von dem Ihr auch bequem leben könnt.
Vor allem wer mit falschen oder überhöhten Erwartungen an das neue Business herangeht, wird gerade den Anfang schwer finden.

Kulturschock: Stress mit den Girls und Mitarbeitern

Die Arbeitsmoral thailändischer Mitarbeiter, inklusive Bar Girls, ist natürlich auch ein Thema für sich. Die Thais sind zwar nicht, wie viele Farangs gern behaupten, grundsätzlich faul und arbeitsscheu. Arbeitstiere sind sie allerdings auch nicht unbedingt.
Die Schwierigkeiten fangen schon damit an, ausreichend hübsche Ladies zu finden, die man auch langfristig an seine Bar binden kann. Die Zeiten, als sich die Ladies aus dem Isaan noch darum rissen, in einer Bar in Pattaya anzuschaffen und einen Farang-Boyfriend aufzugabeln, sind leider schon ein paar Jahre her.
Viele gerade jüngere Ladies, die sich heute noch den Job in einer Bar antun, möchten oft nur schnelles Geld verdienen, spielen aber lieber mit dem Handy als mit Kunden „Vier Gewinnt“, und treiben sich auch sonst lieber mit gleichaltrigen Thai-Jungs rum als mit angetrunkenen, älteren Herren aus „Jöllamann“ (so sprechen die Thais „Germany“ aus.)

Logo, da will man als „Big Boss“ manchmal durchaus an den Deckenventilator springen. Aber Achtung! Wer jetzt „typisch deutsch“ reagiert, seinen Frust rausbrüllt und auf die Theke haut, wird ganz schnell allein bei sich am Tresen sitzen und sich den Whisky selber mixen müssen. Ein frustrierter Angestellter wird am nächsten Tag einfach nicht mehr aufkreuzen.
Das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit seinen „staff members“ zu finden, kann sich auch für Farangs mit jahrzehntelanger Thailand-Erfahrung oft als extrem schwierig erweisen. Der Kulturschock ist eben doch subtiler und sitzt tiefer, als man sich anfangs eingesteht.
Thais (leider nicht nur Thai-Frauen) ticken manchmal gewaltig anders, und ob man das mag oder nicht, wenn man geschäftlich auf Thais angewiesen ist – und als Barbesitzer in Pattaya ist man das -, muss man das manchmal eben hinnehmen und, wie die Thais oft selber, gute Miene zum bösen Spiel machen.

Seinen Lifestyle von Urlauber auf Expat umstellen

Euren Lebensstil werdet Ihr wahrscheinlich auch schnell anpassen müssen und den Lifestyle eines Urlaubers kaum beibehalten können – eine Bar in Pattaya betreiben und zwei Wochen im Jahr hier auf Urlaub kommen, sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.
Schließlich will/muss man ja auch Geld verdienen, nicht nur verballern. Wer also kein saftiges Haupt-/Zweiteinkommen aus Deutschland bezieht und die Bar quasi nur als Hobby betreibt, wird kaum 100 Euro am Tag verballern können. In Europa kann das ja auch kaum einer.

Aber hier kommt auch einer der wesentlichen Vorteile des Barbesitzertums in Pattaya zum Tragen: Weil man ja nicht andauernd um die Häuser zieht, sondern die meiste Zeit wohl bei sich selber in der Bar verbringt und zum Einkaufspreis trinkt, braucht man natürlich auch ein bedeutend geringeres Budget als ein Tourist.
Wer als Barbesitzer in Pattaya 1,000 Euro „Spielgeld“ im Monat hat und womöglich noch eine kleine Wohnung gleich bei sich über der Bar (also nicht noch ein Condo oder Haus anmieten muss), der ist zwar auch in Pattaya kein wohlhabender Mann, kann aber durchaus gemütlich über die Runden kommen – vorausgesetzt Tilak ist auch schon hinreichend versorgt.

Dauersaufen und schon am Mittag betrunken an der Theke hängen, geht als „Boss“ natürlich nicht. Andererseits muss man als „der Farang in der Bar“ – also Ansprechpartner besonders für deutschsprachige Gȁste – natürlich auch mal kräftig mitschlucken.
Wichtig ist hier nur, den goldenen Mittelweg zu finden und nicht selber sein bester Kunde zu sein.

Stumpfer Alltag und Stress: Die täglichen Sorgen eines Barbesitzers

Klar, als typischer Pattaya-Tourist hängt man fast jeden Abend in irgendeiner Kneipe ab und wünscht sich, man müsse nicht in wenigen Tagen schon wieder daheim in Deutschland sein und Kohle für den nächsten Urlaub ranschaffen.
Wie geil wäre das denn, könnte man einfach immer hier am Tresen hockenbleiben, umringt von exotischen Thai Girls, für die man trotz aller Falten und der Bierwampe immer noch ein „sexy man“ ist.

Aber genauso wie jeder andere scheinbare Traumjob wird auch der Beruf des Barbesitzers irgendwann stumpfer Alltag. Es ist ja nicht so, dass man kommen kann und gehen wie man will.
Als „Boss“ und deutschsprachiger Ansprechpartner wird von den Gästen schließlich auch erwartet, dass man vor allem immer anwesend ist – also auch, wenn man mal gerade keine Lust auf laute Musik und Absaufen hat, das dumme Geschnatter der Bar Ladies (wenn man die täglich sieht und auch mal ungeschminkt, sind die meisten dann auch gar nicht mehr so sexy) oder das ewige Blabla knausriger Kunden, die die geschäftliche Notwendigkeit der „Bar Fine“ auch nach zehnmal Pattaya noch immer nicht kapieren.
Die Gäste, ohne die so eine Bar halt nicht läuft, kann man sich als Geschäftsmann schließlich auch nicht immer aussuchen.

Dieser gleiche Trott, tagein tagaus, kann auch dem lustigsten und geduldigsten Wirt mal die Laune verderben und die Hutschnur reißen lassen. Ohne ein starkes Nervenkostüm und ne gehörige Portion „Coolness“ hält man die Arbeit in der Bar vermutlich nicht lange aus.
Wenn dann der Umsatz noch zu wünschen übriglässt und die Hauptsaison einfach nicht ins Rollen kommen will, ist das alles andere als eine „Dauerparty“, eine Bar in Pattaya sein eigen zu nennen.

Hinzu kommt der gelegentliche Stress mit der Thai-Freundin oder Frau (den kennt fast jeder Expat in Pattaya), wo es auch mal etwas rustikaler zugehen kann.
Chronischer Bewegungsmangel, zuviel Alkohol, sowie eine allgemein ungesunde Lebensart, sind ebenso typische Begleiterscheinungen des vermeintlichen Traumjobs als Bar-Boss.
Wichtig ist es da, auch außer der Bar noch ein Hobby zu haben oder Sport zu betreiben. Für Ischiasprobleme und Leberversagen muss man ja nicht erst ins Rentenalter kommen.

Na, das ist alles noch viel besser als noch besser als mein Scheißjob in Deutschland, denkt Ihr Euch jetzt vielleicht.
Sicher, wenn Ihr jobmäßig nicht viel zu verlieren habt und bei Bedarf schnell wieder Arbeit finden könnt in der Heimat; Ihr eine fleißige, verlässliche Thai-Freundin habt, die nicht nur faul auf dem Sofa liegt, sondern auch noch mit Geld umzugehen weiss; wenn Ihr dann noch eine Million Baht Erspartes habt, dessen Verlust Ihr schlimmstenfalls verkraften könnt, und vielleicht noch eine Art „Backup Plan“ und ein bar-unabhängiges Zweiteinkommen; dann ist es auch heute durchaus noch einen Versuch wert, eine Bar in Pattaya aufzumachen.

Wer realistisch ist und auf dem Boden bleibt, mit der richtigen Mentalität und Motivation an den Job herangeht – also eventuell auch einen Misserfolg verkraften kann – der kann und soll sein Glück mit einer Bar in Pattaya auch heute noch gerne jederzeit versuchen.
Träumer und Fantasten hingegen bleiben hauptberuflich besser in Deutschland. Und wer es finanziell sowieso nicht nötig hat, sondern es sich leisten kann, „einfach nur so“ in Pattaya zu leben, also ohne noch zusätzliches Geld verdienen zu müssen, der sollte sich den Stress des Bierbar-Alltags wirklich nur als zahlender „customer“ antun.
Da kann man wenigstens aufstehen und gehen, wann man will.

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